Geschenkte Jahre und der Staub der Straße

 
7. Juni 2015 - Laufinitiative „Pro Organspende“ von Transplantierten aus Hannover und ganz Norddeutschland mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil beim Stadtlauf.

© Nigel Treblin

Guido Hoffmann, seit 2,5 Jahren transplantiert, wollte beim Stadtlauf der KKH in Hannover ein besonderes Zeichen setzen für das Prinzip Hoffnung einer jeder Organspende. Dazu trommelte Guido in Eigenregie rund 100 Transplantierte (darunter mehrere TransDia-Mitglieder) und Unterstützer aus ganz Norddeutschland zusammen, um am Lauf teilzunehmen. Als prominentester Unterstützer schloss sich auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil dieser Initiative an und lief demonstrativ die gesamte Strecke über 5,8km mit. Als zahlenmäßig größte Teilnehmergruppe ohne Firmenhintergrund gewann die Laufgruppe den 1. Preis der KKH über 500 Euro, der umgehend an die DKMS weitergespendet wurde.

 

Für den Lauf hatte Guido mit Hilfe von Sponsoren eigene Laufshirts „Pro Organspende“ drucken lassen, die beim Lauf für Aufmerksamkeit beim Publikum sorgten. Eigentlich sollte das Logo ein Herz darstellen, stattdessen waren die Shirts mit den „Flügelchen“ auf dem Rücken besonders unter der Jugend ein Hit.
Überhaupt war es beeindruckend, wie alle Altersgruppen von 5 bis 75 sich gemeinsam in den Dienst der guten Sache stellten, auch wenn der Lauf für den einen oder die andere wirklich belastend war (z.B. noch immungeschwächt mit Mundschutz). Die staubige Laufstrecke rund um den bekannten Maschsee war da nicht unbedingt hilfreich, aber im Schatten der Alleebäume unglaublich stimmungsvoll. Die Atmosphäre war klasse, Gastgeber Hannover zeigte sich von seiner schönsten Seite!

 

Wie am Tag zuvor, beim in Hannover gefeierten Tag der Organspende, waren viele Medienteams vor Ort und berichteten über die Laufgruppe und ihre „geschenkten Lebensjahre“. Zusätzliche Jahre mit einer Organ- oder Knochenmarksspende, für die Guido und die anderen Transplantierten bei der Preisverleihung auf der Bühne „Danke“ sagten. Jeder transplantierte Teilnehmer des Laufes hielt dafür ein Schild mit den geschenkten Lebensjahren in die Höhe. Für die Medien und das Publikum ist es jedes Mal wieder eine Überraschung, wie schnell etliche hundert Jahre zusammenkommen.

 

Missbrauch und Korruption bei der Vergabepraxis haben der Organspende in Deutschland viel Sympathie und Unterstützung gekostet, nicht jeder kann sich heute ohne weiteres mit dem Gedanken eines Organspende-Ausweises anfreunden. Umso wichtiger ist es, dass diejenigen, die das große Glück eines passenden Spenders bereits erfahren haben, nun auch für die wirklich vielen Bedürftigen in der „Warteschleife“ die Werbetrommel rühren. Jeder Spenderausweis zählt und rettet im wahrsten Sinne des Wortes Leben!

 

Stammzellspender haben es da einfacher, ihr gespendetes Knochenmark ist in 2-4 Wochen wieder komplett hergestellt. Dafür ist aber die „Passgenauigkeit“ umso wichtiger und die ist oft nur schwer zu finden. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS vermittelt Stammzellspenden an Patienten, die an Blutkrebs erkrankt sind und ihre Registrierungen helfen nicht nur in Deutschland, sondern in komplizierten Fällen auch weltweit. Der in Hannover gewonnene Geldpreis wurde in Absprache mit der DKMS Berlin für zehn kostenlose Typisierungen potentieller Stammzellspender beim Registrierungstag des 9-jährigen Clemens in Reichenbach bestimmt. Es ist auch tatsächlich bei dieser Aktion für Clemens ein geeigneter Spender im Chemnitzer Umfeld gefunden. Gratulation!


 

Dank gebührt an dieser Stelle auch dem Verein „Organtransplantierte in Ostfriesland“, die mit Stand und Mannschaft vor Ort der Laufinitiative „Pro Organspende“ in Hannover massiv zur Seite standen.

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